|
|
|
Quelle: Der
Aaargauer-Süd-Anzeiger am 08/03/2007

Die globale Erwärmung hat nicht nur negative Auswirkungen auf die
Korallenriffe, sondern auch auf das für die Nahrungskette so wichtige
Phytoplankton, berichtet das Wissenschaftsmagazin National Geographie.
Das Phytoplankton wird auch als Urproduktion der Meere
bezeichnet, weil es die Nahrungsgrundlage für alle übrigen Lebewesen im Meer
darstellt. Das pflanzliche Plankton, vor allem bestehend aus Kiesel-, Grün-,
Blau- und Goldalgen sowie Dinoflagellaten, baut als Primärproduzent mit
Hilfe von Licht in der Photosynthese aus Kohlendioxid und Nährstoffen seine
Körpersubstanz (Biomasse) auf.
Nahrungskette betroffen
Die jüngsten Erkenntnisse des Forschungsteams um den Botaniker Michael
Behrenfeld von der Oregon State University in Corvallis zeigen deutlich,
dass die Meere auf die Erwärmung reagieren. «Es macht uns klar, dass wir mit
einer reduzierten biologischen Produktion in vielen Regionen der Welt
rechnen müssen», so Co-Autor Jörge Sarmiento von der Princeton University in
New Jersey. Die Folgen davon betreffen vor allem jene Menschen, die ihre
Nahrung aus dem Meer beziehen, denn als Grundnahrungsmittel für alle höheren
Lebewesen spielt das Phytoplankton eine wesentliche Rolle, da eine der
Grundregeln der Meeresbiologie besagt, dass das Plankton für grossen
Fischreichtum in dem betreffenden Gewässer sorgt. Betroffen von der Abnahme
des Phytoplanktons sind vor allem die gemässigten Zonen.
«Wenn sich die Erde erwärmt, verändert sich aber nicht nur der Bestand des
Phytoplanktons, sondern auch der Bestand der Spezies, die verschiedene
Regionen der einzelnen Meereszonen dominieren», so Behrenfeld. Die gesamte
Struktur des Ökosystems werde dadurch verändert. Das Forscherteam hat anhand
von Satellitendaten die Veränderung des Phytoplanktons im Zeitraum von 1997
bis 2006 untersucht. Da die Meeresfarbe vor allem durch die unterschiedliche
Konzentration des Planktons beeinflusst wird, konnten sie schnell
herausfinden, welche Veränderungen es gab. In Gewässern mit grünem Schimmer
herrscht eine relativ hohe Phytoplankton-Konzentration, während in jenen mit
blauem Wasser eine geringere Menge vorhanden ist.
Klima im Teufelskreis
Die Abweichungen durch die beiden Klimaphänomene El Nino und La Nina 1997
und 1999 waren deutlich bemerkbar. Seit 2000 haben sich die
Oberflächentemperaturen kontinuierlich erhöht, das Wachstum von
Phytoplankton ist dagegen im Gleichschritt gesunken. Wenn sich die
Meeresoberfläche erwärmt, wird das Oberflächenwasser leichter als das kalte
dichte Wasser darunter. Das kalte Wasser ist voller Nährstoffe, die das
Phytoplankton zum Wachstum braucht. Damit wird dem Phytoplankton die
Nahrungsquelle praktisch abgeschnitten. «Ohne Phytoplankton wäre kein
heterotrophes Leben im Meer vorhanden», so der Forscher, der betont, dass
die Einzeller auch für etwa die Hälfte der gesamten Photosynthese der Erde
verantwortlich sind. Die Experten schätzen, dass Phytoplankton etwa 50
Milliarden Tonnen CO2 jährlich binden kann. «Damit hat das
Phytoplankton einen gewaltigen Einfluss auf den Kohlenstoffkreislauf des
Planeten», subsumiert Behrenfeld.
Mit der Erwärmung und der steigenden CO2-Konzentration, geht aber
auch eine andere Veränderung im Meer einher: Die Ozeane werden immer saurer.
«Besonders schlecht geht es dabei den so genannten Coccolithophoriden, das
sind winzig kleine Meeresalgen, die einen Kalkpanzer bilden», erklärt der
Wiener Meeresbiologe Jörg Ott von der Universität Wien im
Pressetext-Gespräch. Die kleinen Algen zählen aufgrund .ihres zahlreichen
Auftretens zu den bedeutendsten Primärproduzenten in den Weltmeeren und
stehen an der Basis von Nahrungsketten. Auch sie beeinflussen den
Kohlenstoffkreislauf und damit das gesamte Wetter- und Klimasystem der Erde.
zurück zur letzten Seite
zum Seitenanfang
Barrier-Riff steht vor dem Ende
Das berühmte Great Barrier Reef an der Ostküste Australiens könnte schon
bald zu einem toten Riff werden. Bleiben die Wassertemperaturen derart hoch,
werden die Korallen dies nicht überleben, sondern die bereits vorhandene
Korallenbleiche weiter antreiben.
Laut
einem Bericht der australischen Tageszeitung «The Age» warnen Experten
davor, dass die Erwärmung in den Küstenregionen Milliarden Dollar an Schäden
verursachen werden. Bei weiter anhaltender Erwärmung könnte die
Korallenbleiche zu einem jährlichen Ereignis werden. Ein weiteres Problem,
das mit der Erwärmung einhergeht, ist die Übersäuerung des Meerwassers. Das
Barrier-Riff ist mit seiner Gesamtlänge von mehr als 2000 Kilometern der
grösste lebende Organismus des Planeten Erde. Es ist auch das einzige
«Lebewesen», das sogar vom Weltraum aus sichtbar ist. Mehr als 1500
Fischarten leben dort. Zudem gehört das Riffsystem zu den grössten
Tourismusattraktionen Australiens, das jährlich Millionen von Besuchern
anlockt.
CO2 verantwortlich
«Wir werden uns darauf einstellen müssen, dass die Zahl der Korallenriffe
unter den gegebenen Umständen deutlich abnehmen wird», so der Wiener
Meeresbiologe Jörg Ott von der Universität Wien im Pressetext-Interview.
Dabei könne es sein, dass sie auf einen Zehntel ihres einstigen Bestandes
zurückgehen, meint Ott. Wobei es zu grossen regionalen Unterschieden kommen
werde. «Wenn die dünne Haut der lebenden Substanz von Korallen zerstört ist,
geht die weitere Zerstörung eines Riffes schnell vor sich», erklärt der
Wissenschaftler. Es gebe aber Berichte, wonach einige der Korallenriffe sich
in den vergangenen Jahren wieder erholt hätten. «Ein Negativ-Faktor ist
allerdings die Übersäuerung der Ozeane, denn diese erschwert es kalkhaltigen
Lebewesen wie Korallen oder Muscheln Kalk zu bilden.» Die Versauerung sei
definitiv auf eine Erhöhung des CO2 zurückzuführen. «Durch diese
Tatsache werden die Korallen quasi in einen Zangengriff genommen: Einerseits
wollen ihre Symbionten das wärmere Wasser nicht, andererseits macht die
Übersäuerung die Bildung von Kalk schwerer», erklärt Ott abschliessend im
Pressetext-Interview.
Es wird wärmer
Bekannt ist bereits jetzt, dass sich die Temperaturen bis 2100 um bis zu 4,5
Grad weiter erhöhen werden. Damit verbunden wird der Meeresspiegel zwischen
knapp 13 und 58 Zentimetern steigen. Ein Bericht des Intergovernmental Panel
on Climate Change (IPCC) liefert die bisher umfassendste wissenschaftliche
Grundlage für die internationale Politik. IPCC-Präsident Rajendra Pachauri
kündigte Beweise dafür an, dass der CO2-Ausstoss den Klimawandel
beeinflusse. Er hoffe, die Studie werde die Menschen schockieren und die
Regierungen zum Handeln bringen. «Nie war der Bedarf an verlässlichen Daten
zur Erderwärmung so gross wie heute», so Pachauri. Seit dem letzten Bericht
2001 beschleunigte sich der Anstieg des Meeresspiegels ebenso wie das
Schmelzen der Gletscher. Der Ausstoss von Treibhausgas ist weiter gestiegen.
Die UN-Wissenschaftler fürchten, der vom Menschen in Gang gebrachte
Klimawandel könnte nicht mehr gestoppt werden.
zurück zur letzten Seite
zum Seitenanfang
Quelle: Der Tages-Anzeiger am 13/09/2003
Das Tauchen im See will gelernt
sein
Taucher verunfallt, TA13.
9/Zwei Tote nach Tauchunglück im Zürichsee, TA 30. 8
Die maximale Tiefe für Sporttaucher ist 40 Meter. Empfohlen wird in den
kalten Gewässern, was die Schweizer Seen sind, eine Tiefe, die dem Niveau
und der Erfahrung der Tauchergruppe entspricht. Bei uns in der Tauchschule
Züri-Sub sind dies für Anfänger maximal 15 Meter, für Fortgeschrittene mit
entsprechender Erfahrung maximal 25 Meter und für Taucher auf höchstem
Sporttaucherniveau maximal 35 Meter.
Diese Empfehlungen gelten aber nur für Taucher, die entsprechende Erfahrung
und Ausbildung im See (kaltes Wasser, teilweise getrübte Sicht) gemacht
haben. Viele Taucher lernen heute in einem tropischen Meer tauchen und
möchten es auch einmal im See versuchen. Die Ausbildung im Meer erachte ich
als nicht genügend, um auch im kalten/trüben Gewässer zu tauchen. Bei einer seriösen Tauchschule, die in Schweizer Gewässern ausbildet, werden
die Standards der internationalen Tauchverbände angepasst. Beispiele sind
die Partnerkontrolle im trüben Wasser oder die richtige Ausrüstung und deren
Kontrolle. Lungenautomaten können schon an der Oberfläche vereisen. Deshalb
werden für das Kaltwassertauchen zwei separate Lungenautomaten an die
Pressluft-Tauchflasche angeschlossen. Diese müssen speziell für das
Kaltwassertauchen geeignet sein, damit die Vereisungsgefahr reduziert wird.
Vereist ein Lungenautomat, wechselt man auf den zweiten; die Vereisung wird
dem Partner angezeigt. Das Ventil an der Tauchflasche des ersten
Lungenautomaten wird vom Partner geschlossen, und er kontrolliert, ob
wirklich das richtige geschlossen wurde. Nach gegenseitiger Kontrolle der
Finimeter (Unterwasser-Druck-Messgeräte) wird mit einer normalen
Aufstiegsgeschwindigkeit von 10 Meter pro Minute bis auf
Sicherheitshalt-Tiefe von 4 Metern aufgetaucht.
HANS STREIT, KÜSNACHT
zurück zur letzten Seite
zum Seitenanfang
Quelle: Der Tages-Anzeiger am 19/11/2003
Wer mitdenkt, bleibt
unter Wasser länger am Leben
10
Taucher sind dieses Jahr bei Unfällen gestorben, fünf davon im Zürichsee.
Der
Grund war meist der gleiche: Leichtsinn.
Die Tauchverbände reagieren.
Von
Daniel Bach
In früheren Jahren bewegte sich die Zahl der tödlichen Unfälle stets zwischen
vier und neun. Der Jahrhundertsommer hat einiges zum traurigen Rekord
beigetragen.
Weil das Wasser tropisch warm war, sind viele Taucher in die einheimischen Seen
gesprungen, welche sonst nur in den Ferien zu Maske und Schnorchel greifen. Viele
von ihnen wurden ganz schön überrascht: Im Zürichsee wird das Wasser auch im
heissesten Sommer nach den ersten paar Metern eiskalt. Und die Sicht ist ohnehin
viel schlechter als im Meer.
Die ungewohnten Verhältnisse erklären die vielen Unfälle nur zum Teil. In den
meisten Fällen lässt sich das Problem auf ein Wort reduzieren: Leichtsinn.
Zu viele Taucher überschätzen ihre Fähigkeiten und wählen ein Gelände, das sie
überfordert, oder sie kämpfen mit den Tücken einer Tiefe, für die ihnen die
Erfahrung fehlt. In die gleiche Kategorie gehören Tauchlehrer, die zu viele
Schüler oder Gäste mit auf den Tauchgang nehmen und sich zu wenig um den
Einzelnen kümmern können. «Fast jeder Unfall wäre zu vermeiden gewesen, wenn
sich die Betroffenen an das gehalten hätten, was sie in der Ausbildung gelernt
haben», sagt Heinz Binkert, Präsident der Fachstelle für Tauchunfallverhütung (FTU).
Technische Probleme gebe es zwar auch, aber diese könnten durch richtiges
Verhalten meist korrigiert werden. Die FTU und die Tauchverbände wollen dieser
Entwicklung nicht tatenlos zusehen und arbeiten einen Flyer aus, der detailliert
über die Gefahren des Tauchens in Schweizer Gewässern informiert. Er soll bis im
Frühling vorliegen und wird an alle Taucherinnen und Taucher verschickt, die
einem Tauchklub angehören. Und das ist bei den meisten der 270000 Personen, die
diesen Sport regelmässig ausüben, der Fall.
Immer Sauerstoff mitnehmen
Peter Nussbaumer, Chefarzt Chirurgie am Spital Riehen, wies an einer
Informationsveranstaltung darauf hin, dass man bei jedem Tauchausflug eine
Sauerstoffflasche mit Maske dabei haben sollte. Denn sie kann Leben retten und
bleibende Schäden verhindern. Die meisten Unfälle entstehen, wenn Taucher zu
schnell aufsteigen und deshalb zu viel Stickstoff im Blut haben, der Bläschen
bildet und die Gefässe verstopft. Sauerstoff sorgt dafür, dass sich diese
zurückbilden und das Blut wieder in die Organe fliesst, bevor diese absterben.
Beim Tauchen lauern nicht nur medizinische, sondern auch juristische Gefahren.
FTU Anwalt Lukas Metzler erklärte den Zuhörern, dass sie bei jedem Tauchgang in
der Gruppe für ihre Begleiter mitverantwortlich seien. Wer einen tödlichen
Unfall durch unsorgfältiges Verhalten mitverursache oder nicht verhindere, könne
strafrechtlich wegen fahrlässiger Tötung zur Rechenschaft gezogen werden. «Die
Richter verstehen meist nicht viel von den speziellen Verhältnissen unter
Wasser. Sie beurteilen nur, ob man sich gewissenhaft verhalten hat oder nicht.»
Erfahrene und gut ausgebildete Taucher seien besonders gefordert. «Wenn Sie
einen Anfänger auf einen Tieftauchgang mitnehmen, werden Sie Probleme haben,
wenn etwas passiert.»Juristisch gesehen, so Metzler, wäre es am einfachsten,
wenn man allein tauchen würde. Als Tauchlehrer würde er dies seinen Schülern
aber nie sagen. Zu zweit kann man unter Wasser fast jedes Problem lösen, alleine
dagegen fast keines.
zurück zur letzten Seite
zum Seitenanfang
|
|
|